Die Zukunft der SVGG Hangard ist nach wenigen Wochen von einer völlig anderen Realität geprägt. Noch vor rund zwei Monaten spielte der Vizemeister der Landesliga Ost um den Aufstieg in die Verbandsliga, inzwischen hat der Verein beide Aktivenmannschaften vom Spielbetrieb des Saarländischen Fußballverbands (SFV) zurückgezogen. Nun richtet sich der Blick auf die anstehende Generalversammlung und mögliche Wege, den Verein wieder neu aufzustellen.
Die Bekanntgabe des Rückzuges der Teams aus der Landesliga Ost und der Kreisliga A Neunkirchen sorgte auch auf SCB-Online für viele Diskussionen. Nach Angaben des langjährigen Vorsitzenden Martin Bölk führten mehrere Entwicklungen zu dieser Entscheidung. Besonders schwer wog dabei der kurzfristige Verlust mehrerer Spieler unmittelbar vor Saisonbeginn. „Wir haben uns auf Zusagen von Spielern verlassen“, erklärt der Vereinschef in der Saarbrücker Zeitung. Vier Akteure entschieden sich erst Ende Juni für einen Vereinswechsel, wodurch die Personalplanung innerhalb kürzester Zeit zusammenbrach. Der Versuch, innerhalb weniger Tage noch Ersatz für die Landesliga zu finden, blieb erfolglos. In der Folge entschieden sich auch weitere verbliebene Spieler gegen einen Start in der Liga, sodass schließlich beide Mannschaften abgemeldet wurden.
Zu den wechselnden Leistungsträgern gehörten Marvin Müller, Brooklyn Mac Phee, Marco Eggert und David Presser, die sich dem VfB Borussia Neunkirchen anschlossen. Aus Hangarder Sicht sorgte dieser Schritt für großen Unmut. Martin Bölk macht insbesondere die kurzfristigen Wechsel für die Eskalation verantwortlich und verweist darauf, dass der ohnehin knapp besetzte Kader dadurch endgültig auseinandergebrochen sei.
Beim VfB Borussia Neunkirchen weist der sportliche Leiter Boris Schellenberg die Vorwürfe des gezielten Abwerbens dagegen zurück. Nach seiner Darstellung liefen die Gespräche mit den Spielern bereits seit längerer Zeit. Da der Verein erst Ende Mai endgültig Klarheit über die Teilnahme am Spielbetrieb erhalten habe, seien die Wechsel zwangsläufig erst zu einem späteren Zeitpunkt vollzogen worden. Zudem verweist Schellenberg darauf, dass drei der vier Neuzugänge schon zuvor enge Verbindungen zum Verein gehabt hätten und regelmäßig die Spiele der Borussia verfolgt hätten. Gleichzeitig bedauert er die Entwicklung beim Nachbarn, gibt aber zu bedenken: „Mir tut es sehr leid, dass Hangard abmelden musste. Aber es kann irgendwo nicht sein, dass allein der Abgang von vier Spielern zur Abmeldung von zwei Mannschaften führt.“
Auch der Vorsitzende der SVGG Hangard räumt ein, dass der Kader bereits zuvor sehr dünn besetzt gewesen sei. Dennoch habe man gehofft, die Saison erfolgreich bestreiten zu können. Stattdessen steht der Verein nun vor einem kompletten Neustart. Nach den Regularien müsste die SVGG Hangard bei einer späteren Rückkehr in den Spielbetrieb wieder in der Kreisliga beginnen. Zu den personellen Problemen kamen nach Aussage Bölks weitere Belastungen hinzu. So hätten der Wegfall von zwei Premiumsponsoren sowie der inzwischen durch einen Vergleich beendete Streit um das Clubheim die schwierige Lage zusätzlich verschärft. Das Vereinsheim wird inzwischen wieder von der SVGG Hangard selbst betrieben.
Im kommenden Jahr wollte der Verein eigentlich sein 80-jähriges Bestehen feiern. Stattdessen beschäftigen sich die Verantwortlichen nun mit der Frage, wie die Zukunft des Traditionsvereins gesichert werden kann. Dazu sollen die rund 200 Mitglieder im Rahmen einer Generalversammlung über mögliche Fortführungsmodelle beraten. Hoffnung setzt die SVGG Hangard unter anderem auf ihre Sportanlage. Dort absolvierte zuletzt bereits der Nachwuchs der SV Elversberg Begegnungen. Nach Angaben von Martin Bölk laufen derzeit aussichtsreiche Gespräche über eine langfristige Zusammenarbeit und Nutzung der Anlage. Darin sieht der Vorsitzende eine mögliche Chance, den Verein wieder auf eine stabile Grundlage zu stellen.